
Meine Position: Kein Verbot der AfD
3. September 2026
Meine Position: Kriegstüchtigkeit, Recht und der Schutz von Menschen
6. September 2026Meine Position: NATO-Osterweiterung und der Krieg in der Ukraine
Warum ich diesen Text schreibe
In der Debatte über die Ursachen des Kriegs in der Ukraine gibt es zwei sehr unterschiedliche Erklärungsansätze. Ich zeige hier beide, sage aber auch, welche mich mehr überzeugt.
Seit Beginn des Kriegs, den Russland 2022 gegen die Ukraine begonnen hat, wird auch über seine Vorgeschichte gestritten. Ein Teil der Debatte dreht sich um die Frage, welche Rolle die Osterweiterung der NATO dabei gespielt hat.
Die eine Seite, etwa in den Büchern von Günter Verheugen und Petra Erler, argumentiert, dass die westliche Politik der letzten drei Jahrzehnte mit zur Eskalation beigetragen hat. Die NATO-Erweiterung nach Osten sei in Moskau als Bedrohung wahrgenommen worden, und der Westen habe russische Sicherheitsinteressen zu wenig ernst genommen. Das erklärt aus dieser Sicht nicht den Krieg, aber einen wesentlichen Teil seiner Vorgeschichte.
Grafik: KI-generiert (erstellt mit ChatGPT)
Grafik: KI-generiert (erstellt mit ChatGPT)
Die andere Seite hält genau das für einen gefährlichen Mythos. Sie verweist darauf, dass die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, dass osteuropäische Staaten aus eigenem Sicherheitsbedürfnis beigetreten sind, und dass die eigentliche Ursache des Kriegs Putins imperiales Verständnis von Russland und seiner Nachbarschaft ist. Diese Position sieht in der NATO-Erweiterungs-These vor allem ein Argument, das auch von russischer Seite gezielt verbreitet wird, um von der eigenen Verantwortung abzulenken.
Grafik: KI-generiert (erstellt mit ChatGPT)
Auf diese Gegenposition gibt es wiederum eine Erwiderung, die ich für wichtig halte. Sie erinnert daran, dass es 1990 durchaus politische Zusagen an die sowjetische Seite gab, auch wenn sie nie als Vertrag ratifiziert wurden, dass die NATO-Russland-Grundakte von 1997 das Grundproblem der immer näher rückenden Bündnisgrenzen nicht gelöst hat, und dass selbst westliche Außenpolitiker wie George Kennan oder Henry Kissinger vor genau dieser Eskalation gewarnt haben. Der Angriff Russlands bleibt dabei klar völkerrechtswidrig, aber die Vorgeschichte wird dadurch nicht bedeutungslos.
Grafik: KI-generiert (erstellt mit ChatGPT)
Meine Haltung: Die Fakten sind eindeutig. Russland hat 2022 die Ukraine militärisch angegriffen, das ist ein Bruch des Völkerrechts, und die Entscheidung dazu hat Russland getroffen. Dafür trägt Russland die Verantwortung.
Trotzdem sehe ich die tieferen Ursachen eher bei der NATO und den westlichen Staaten. Die immer weitere Ausdehnung des Bündnisses nach Osten, ohne Russlands Sicherheitsinteressen ernsthaft einzubeziehen, hat aus meiner Sicht über Jahrzehnte eine Konfrontation aufgebaut, die vermeidbar gewesen wäre. Wer über drei Jahrzehnte hinweg ein Land wie Russland sicherheitspolitisch an die Wand drängt, muss sich nicht wundern, wenn daraus irgendwann Eskalation wird. Das entschuldigt den Krieg nicht, aber es erklärt ihn aus meiner Sicht besser als die Erzählung, hier handle allein ein imperialer Aggressor ohne jeden äußeren Anlass.
Deshalb überzeugt mich die Position von Verheugen und Erler mehr als die Gegenposition, die eine westliche Mitverantwortung komplett zurückweist.
Quellen
– Günter Verheugen, Petra Erler und weitere Autoren zur NATO-Osterweiterung
– Gegenläufige Einordnungen aus der sicherheitspolitischen Debatte
Sprendlingen, im September 2026
Manfred Scherer
© 2026 Manfred Scherer. Die Weiterverbreitung dieses Textes, auch auszugsweise, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.





